Ein märchenhaftes Wochenende in Marburg
Wenn morgens die Glocken der Elisabethkirche läuten und das Licht über die Lahn fließt, wirkt Marburg, als sei es einem Märchenbuch entsprungen. Und tatsächlich verstecken sich an jeder Ecke, zwischen Kopfsteinpflaster und Fachwerk, Treppengassen und Türmen ungezählte Geschichten. Das ist kein Zufall. Schließlich studierten hier einst Jacob und Wilhelm Grimm. Wer sich auf den nach ihnen benannten „Grimm-Dich-Pfad“ begibt, erschließt sich nicht nur „en passant“ die gemütliche Studentenstadt, sondern begegnet auch verschiedenen Kunstinstallationen zu den berühmtesten Märchen: Aschenputtel am Schloss, das tapfere Schneiderlein am Rathausplatz, der Fischer und seine Frau im Botanischen Garten.
Orientierung und Souvenirs aus der Region
Einen guten Einstieg samt Rundum-Orientierung bietet die Tourist-Information in der Oberstadt. Hier findet man nicht nur Stadtpläne und Tipps für den märchenhaften
Rundgang, sondern auch Souvenirs mit Mehrwert: Im angeschlossenen Echt-Regional-Laden in der Reitgasse locken Nudeln, Honig, Schokolade und Öle aus Münchhausen, Mehl aus einer traditionellen Hinterlandsmühle oder eingelegtes Biogemüse aus Dagobertshausen. Darüber hinaus sind kreative Holzprodukte aus inklusiver Fertigung oder handgearbeitete Filzschuhe zu finden.
Altstadtflair zwischen Fachwerk und Kaffeeduft
Wer sich in der Marburger Oberstadt treiben lässt, spürt sofort ihr märchenhaftes Flair. In den verwinkelten Gassen reihen sich Cafés und besondere Läden aneinander. So gilt etwa das Café Barfuß seit Jahrzehnten als Institution unter den Studierenden – hier trifft man sich zum Frühstück oder zum ersten Wein des Abends. Im traditionsreichen Café Vetter genießen Kenner hauseigene Kuchen und Torten, in kleinen Shops duftet es nach Tee, Gewürzen und Seifen, und im Feinkostladen Heinzelmännchen stehen handverlesene Delikatessen in den Regalen. Wer dem Gefälle der Gassen folgt, landet über kurz oder lang am Lahnufer – und dort bei der Eismanufaktur Aroma. Sie zählt laut dem Feinschmecker-Magazin zu den besten Eisdielen Deutschlands. Hinter ihrer Theke türmen sich Sorten wie Lemon Cookie,
Lavendel oder Ricotta mit gerösteten Pinienkernen, vor der Tür der Sand von Marburgs einzigem Stadtstrand.
Landgräfliche Mauern, weite Panoramen
„In Marburg gibt es mehr Treppen auf der Straße als in den Häusern“, klagte schon Jacob Grimm. Wer durch die Gassen zum Landgrafenschloss hinaufsteigt, versteht schnell, was er meinte. Die Dauerausstellung „Stadtgeschichte*n“ im Schloss widmet sich der über 800-jährigen Historie Marburgs – vom Leben und Tod der heiligen Elisabeth über die Universitätsgründung unter Philipp dem Großmütigen bis hin zu den wissenschaftlichen Erfolgen der Neuzeit.
Auf dem Vorplatz lädt die begehbare Camera Obscura zu einem detailreichen und beinahe magischen Blick in die Umgebung ein: In dem dunklen Raum wird auf einer Platte von 1,20 Meter Durchmesser das Stadtleben – Häuser, Menschen, Wolken – in Echtzeit lebendig. Draußen auf der Terrasse eröffnet sich einer der schönsten Blicke über Marburg, und am gegenüberliegenden Hang können Verliebte das Lichtkunst-Herz am Spiegelslustturm per Anruf zum Leuchten bringen.
Spaziergang zum Spiegelslustturm
Ein schöner Spaziergang führt zum 37 Meter hohen „Kaiser-Wilhelm-Turm“ auf die Lahnberge. Der Spiegelslustturm, wie er im Volksmund heißt, wird seit 2005 vom gemeinnützigen Verein MObiLO e.V. bewirtschaftet. Wer seine 167 Stufen bis zur Aussichtsplattform hinaufsteigt, wird bei guter Fernsicht mit einem herrlichen Panorama belohnt.
Unten im Turmcafé mit seinem angeschlossenem Wintergarten duftet es derweil nach Torten und frisch gebackenem Kuchen, und jeden zweiten Sonntag im Monat zieht der beliebte Brunch zahlreiche Schlemmerfreunde an (unbedingt reservieren!). Kulturinteressierte sollten den Veranstaltungskalender checken, denn auf der Bühne mit ihren 50 Plätzen finden regelmäßig Theater- und Kabarettaufführungen oder Konzerte statt. Im Sommer locken Open-Air-Veranstaltungen ein buntes Publikum auf die angrenzende Waldbühne.
Gartenflair gegen Alltagsstress
Ebenfalls auf den Lahnbergen liegt der Neue Botanische Garten: In dieser grünen Oase wachsen auf rund 20 Hektar Fläche Pflanzen aus allen Klimazonen der Erde. Spazierwege führen durch das weitläufige Arboretum, vorbei an mächtigen Bäumen, stillen Teichen und dem schattigen Frühlingswald. In den Schaugewächshäusern lassen sich tropische und kanarische Gewächse, riesige Seerosen und fleischfressende Pflanzen bestaunen. Im Sommer flattern bunte Schmetterlinge durch das Ausstellungshaus und verleihen dem Garten eine besondere Lebendigkeit. Kleine und große Naturfreunde erfreuen sich zudem an Lamas, Waschbären und Meerschweinchen; Labyrinth und Sinnespfad sorgen für kleine, entspannte Abenteuer abseits des städtischen Trubels.
Süße Träume für alle in Marburgs neuer Jugendherberge
Seit ihrer Eröffnung im Dezember 2025 sorgt Marburgs neue Jugendherberge für Gesprächsstoff. Modern, hell und nachhaltig gebaut, ist sie Hessens erste inklusiv betriebene Jugendherberge. Menschen mit und ohne Behinderung arbeiten hier gemeinsam, Wegführung und Farbkontraste wurden zusammen mit der Deutschen Blindenstudienanstalt entwickelt. Auch die sorgfältig ausgearbeiteten Freizeitangebote sind bewusst barrierefrei gestaltet: Von Kanufahren für Personen im Rollstuhl über Teqball im Hof bis hin zu Klettern für Menschen mit Sehbeeinträchtigung. In einem ruhigen Park am Lahnufer gelegen, sind Altstadt, Schwimmbad, Sportanlagen und Tretbootverleih zu Fuß erreichbar – ideale Bedingungen also für einen urbanen Aufenthalt inmitten der Natur.
Weitere Highlights in Marburg finden sich hier.
Lahntal Tourismus Verband e. V. 

















Lahntal Tourismus Verband e.V.
TI Wetzlar, Foto: D. Ketz
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