Die Zeiteninsel in Weimar-Argenstein
Museum “in the making”
Lange Zeit glaubte man, das Lahntal gebe wegen der lehmigen Deckschichten archäologisch wenig her. Schließlich war und ist das flache Flusstal seit jeher Überschwemmungsgebiet. Doch dann stieß man bei Erdarbeiten 1991 in Weimar-Argenstein bei Marburg erstmals auf Spuren aus der Bronze- und Jungsteinzeit. Mit zunehmendem Kiesabbau galt seit 1997 schließlich die Devise: Wir finden so viel – alles muss untersucht werden! Immerhin handelt es sich um Belege für rund 11.000 Jahre Siedlungsgeschichte, eine echte Sensation! Damit diese einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden können, arbeiten Archäologen und Ehrenamtliche derzeit eifrig an einem Freiluftmuseum, der „Zeiteninsel“. Und sie freuen sich über tatkräftige Unterstützung!
Das Areal für das künftige Museum gleicht einer Insel. Sie wird vom Wasser der Par-Allna umflossen und bildet den Anfang eines sich über rund vier Kilometer durch das Lahntal erstreckenden Auenbiotops. Heidi Geschwind, Archäologin und Projektkoordinatorin der Zeiteninsel, erklärt: „Unsere Idee ist, anhand von fünf Zeitstationen und dem ‚Inselzentrum‘ elf Jahrtausende Landschafts- und Kulturgeschichte lebendig werden zu lassen. Jede Zeitstation widmet sich dabei einem anderen Zeitalter – von der Mittel- über die Jungsteinzeit, die Bronze- und Eisenzeit bis hin zur Römerzeit.“
Jede Station kombiniert in Originalgröße rekonstruierte Gebäude mit der jeweils für die Epoche typischen Vegetation, Ackerbeeten oder Viehweiden. „Wir wollen ein wirklich ‚begreifbares‘ Museum schaffen, in dem man in den Alltag unserer Vorfahren eintauchen kann“, so Geschwind. Deshalb gibt es auch schon jetzt vielfältige Kurse vom „primitiven“ Fischen, über Gerben, Korbflechten, Steineschlagen oder Einbaum-Bauen bis hin zu Bronzeguss oder Knochenschnitzen.
Besonders interessant ist die Zeiteninsel auch als Lernort für Schulen und Kitas: Die Kids können zum Beispiel töpfern wie in der Jungsteinzeit, Höhlenmalereien und Schmuck aus Hagebutten, Nüssen, Holzperlen und Bast anfertigen, Schieferplatten mit Feuersteinen gravieren sowie das Funkenschlagen oder die Steinzeitjagd mit Speeren erlernen.
Ganz wichtig ist laut Heidi Geschwind: „Wir sind ein Museum, das sich im Aufbau befindet und das erst durch viele ehrenamtliche Hände entsteht. Wer also die seltene Chance nutzen möchte, selbst einmal ein Museum mit zu gestalten, der kann sich an jedem ersten Samstag im Monat bei der Geländepflege mit einbringen.“
Und das macht richtig Spaß! „Je nach persönlichen Fähigkeiten kann man zum Beispiel Hauswände mit Weidenruten flechten, mit Lehm verputzen oder auch das Dach einer mittelsteinzeitlichen Hütte mit Reet decken,“ sagt Geschwind. „Mittags wird gemeinsam gegrillt, bevor es mit der Arbeit weitergeht.“
Informationen zu Kursen, Vorträgen und Führungen finden sich unter die Zeiteninsel – Archaeologisches Freilichtmuseum.
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