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LAHNTASTISCHE WASSERWANDERUNG

Mit dem Zug gemeinsam von Gießen nach Weilburg, zu Fuß über den „Eisernen Steg“, unter dem ein paar Gänse lustig schnattern, und weiter hinunter zum Parkhaus. Ihr fragt euch, wo es uns diesmal hin verschlagen hat? Nein, diesmal geht es nicht auf Städteerkundungstour, auch wenn Weilburg diesbezüglich mit seinem wunderschönen Schloss und dem dazugehörigen Schlossgarten, der schönen Altstadt und vielen weiteren Sehenswürdigkeiten einiges zu bieten hat. Heute geben wir euch einen Einblick in das Lahntal aus einer ganz anderen Perspektive. Das Lahntal lässt sich nämlich nicht nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkunden. Für ein echtes Lahntalerlebnis darf auch eine Kanutour nicht fehlen!  Mit einer Länge von 242 km, beginnend im Rothaargebirge bei Siegen bis nach Lahnstein durch unberührte Natur, vorbei an kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten und wundervollen Landschaften zählt die Lahn zu einem der romantischsten und wasserwanderfreundlichsten Flüsse Deutschlands.

An der „Kanubasis Weilburg“ angekommen, zeigen wir zunächst unser online gebuchtes Ticket vor und dürfen dann bereits unser Hab und Gut in einer der Packtonnen verstauen. Große, runde Plastikfässer mit einem etwas verzwickten Schließmechanismus, welchen wir allerdings mit der Hilfe eines freundlichen Mitarbeiters schnell durchblickt haben. Mit der vollgepackten und schweren Tonne begeben wir uns in das Parkhaus, in der sich der Kanuverleih befindet und wo wir gemeinsam mit anderen Abenteurern einen Film anschauen. Dieser enthält neben einer Einführung auch wichtige Anweisungen und Sicherheitstipps über das Kanufahren. Im Anschluss bekommen wir bereits Paddel und Schwimmwesten überreicht und begeben uns bestens vorbereitet zur Einstiegsstelle. Dabei begleitet uns einer der Mitarbeiter und lässt unser Boot zu Wasser. Aufgeregt steigen wir in das Kanu – eine wacklige Angelegenheit. Mit letzten Tipps und den herzlichen Worten des Mitarbeiters, der uns eine gute Fahrt und viel Spaß wünscht, starten wir bei bestem Wetter und warmen 25 Grad in unser lahntastisches Abenteuer. Kanuverleih: www.kanu-basis.com Weitere Kanuanbieter findet ihr unter www.daslahntal.de/wasserwandern

Direkt nach unserem Start, wartet schon die erste Attraktion auf uns: Der ca. 200m lange Weilburger Schifffahrtstunnel, welcher als der längste, heute noch befahrbare Schiffstunnel Deutschlands gilt. Doch das Paddeln muss zunächst geübt sein. Noch etwas unbeholfen begeben wir uns hinein, müssen uns hin und wieder von den Wänden abstoßen, bis wir uns immer mehr aufeinander einspielen. Doch bevor wir den Dreh rauszuhaben scheinen, erwartet uns am Ende des Tunnels schon die erste Schleuse. Wir und andere Kanuten warten geduldig während bereits Freiwillige fleißig ziehen und kurbeln, um die Tore zu schließen. Dann strömt Wasser hinaus und wir versuchen uns festzuhalten, um nicht in Richtung des Schleusentors zu treiben. Geschafft! Das Tor öffnet sich, doch zu unserer Überraschung starten wir noch nicht in die wunderschöne Flusslandschaft. Es erwartet uns nämlich direkt noch eine weitere, etwas kleinere Schleuse. Wieder wird mit ganzer Muskelkraft gekurbelt, sodass wir nun insgesamt stolze 4,64 Höhenmeter überwunden haben. Nach insgesamt ca. 40 Minuten, öffnet sich dann endlich das Tor hinter der uns eine traumhafte Kulisse erwartet.

Langsam setzen wir uns, gefolgt von den anderen Fahrern in Gang und paddeln stromabwärts. Mit einer noch etwas ungenauen Lenkweise ist unsere Fortbewegung teilweise schlangenlinienförmig und wir müssen aufpassen, dass wir nicht in den, über das Ufer wachsenden, Weiden hängen bleiben. Doch dank der sanften Strömung werden wir mit jedem Zug durchs Wasser sicherer. Langsam haben wir den Dreh raus. Nun begleiten uns nicht mehr nur fröhliche Kanu- und Kajakfahrer, sondern wir entdecken auch Fahrradfahrer und Fußgänger auf den angrenzenden Wegen der Lahn. Rechts von uns eröffnet sich ein Jugendzeltplatz, auf welchem bereits reges Treiben herrscht. Danach folgt uns plötzlich nur noch eine Familie mit ihrem Kanu. Die anderen, scheinbar geübtere Kanuten, haben uns bereits überholt und sind nicht mal mehr zu sehen. Wir genießen die Natur und die Stille, welche lediglich von einem vorbeifahrenden Zug durchbrochen wird.

Nach nicht allzu langer Zeit entdecken wir zu unserer rechten Seite bereits das Örtchen Odersbach. Dort grüßt uns eine Kapitänsfigur auf einer Bank sitzend vom Ufer. Weiter vorne entdecken wir den Campingplatz von Odersbach, während wir inzwischen sogar von Stand-Up Paddlern überholt werden. Amüsiert darüber, legen wir uns wieder richtig ins Zeug und paddeln fleißig weiter vorbei an planschenden und spielenden Kindern, die uns zuwinken. Wir winken natürlich zurück 😉 Auch einige der Kanuten sind nun wieder in Sicht, denen wir folgen. Hin und wieder, wenn es etwas ruhiger ist, lauschen wir dem Zwitschern der Vögel, sehen vereinzelt Angler am Ufer sitzen und genießen die sonst nahezu unberührte Natur.

Wir folgen der Beschilderung, die uns plötzlich nach rechts leitet. Dort sehen wir die letzte Schleuse unserer Tour. Einige Kanu- und Kajakfahrer wollen bereits die Tore schließen, warten aber freundlicherweise noch einen Moment, um uns hereinzulassen. Wir plaudern etwas und dürfen uns am Boot einer Gruppe festhalten, während der Wasserpegel sinkt und sich glitschige Wände, die zuvor noch unter Wasser lagen, offenbaren. Als auch hier wieder der Ausgleich des Höhenunterschieds geschafft wurde und sich das Tor öffnet, wünschen wir eine gute Fahrt und treten nun das letzte Stück unserer Reise an.

Langsam werden unsere Arme müder, und wir lassen uns häufiger treiben. Doch dabei lässt sich auch am besten die traumhafte Flusslandschaft, umsäumt von dichten Büschen und Mischwäldern, grünen Wiesen und vereinzelt herausragenden Felswänden genießen. Ein Motorboot kommt uns entgegen, unser Boot schaukelt in den Wellen und wir begegnen einer Gruppe Jugendlicher, die etwas unkontrolliert zum Beat von Partyschlagermusik paddelt und uns fröhlich grüßt. Wir grüßen zurück, überholen und es wird wieder ruhiger. Eine Zeit lang sind wir wieder allein unterwegs, lassen uns überwiegend treiben und fragen uns, wo eigentlich die Gruppe mit den fröhlichen Jugendlichen bleibt.

Vor uns liegt nun ein Campingplatz. Es scheint Gräveneck und damit der Endpunkt unserer Tour zu sein. Etwas unsicher halten wir Ausschau nach jemandem, den wir fragen können. Am Ufer entdecken wir eine Frau, die uns freundlich zuruft, dass wir noch 200 Meter bis zum Ausstieg haben. Dankend, paddeln wir nun noch die letzten Meter Richtung Ziel. Kurz vor der Anlegestelle müssen wir nach links lenken, was wir aber inzwischen einwandfrei hinbekommen. Die Bootsspitze berührt den Anlegesteg und wir klettern nach und nach heraus. Erleichtert darüber, dass wir alle trocken geblieben sind, heben wir mit gemeinsamer Kraft das Kanu aus dem Wasser und legen es rechts an eine angrenzende Wiese. Hinzu kommen Paddel und Schwimmwesten, zudem prüfen wir nochmal, dass alles sauber ist. Zuletzt senden wir dem Kanuverleih noch unseren Standort, bemerken jedoch, dass keines unserer Handys Empfang hat. „Na toll!“ denken wir uns und müssen nun ein paar sympathische Kanuten fragen, wohin es denn zum Bahnhof geht. Lediglich einen Katzensprung entfernt, vorbei an Tipi Zelten und Campingwägen sind wir auch schon da. Noch fast eine halbe Stunde, bis der nächste Zug kommt. Da wir nun ziemlichen Hunger bekommen haben, überlegen wir uns in der Zwischenzeit etwas zu essen und den darauffolgenden Zug zu nehmen. Da wir aus der Ferne bereits ein Restaurant gesehen haben, machen wir uns auf den Weg dorthin.

Wir betreten das Restaurant „Lahnterrasse“ und suchen uns ein gemütliches Plätzchen im Schatten. Eine freundliche Dame empfängt uns und überreicht uns die Karte. Wir bestellen Pizza. Während wir warten, reflektieren wir unseren Ausflug und schmieden bereits Pläne für unsere nächste, längere Tour. Dann kommt auch schon das Essen. Wir sind bereits so hungrig, dass wir beinahe vergessen, ein paar Bilder zu schießen. Satt und zufrieden begeben wir uns wieder zurück zu dem kleinen Bahnhof, wo wir nur noch ein paar Minuten warten müssen.

Wir machen uns auf den Heimweg und freuen uns bereits auf unser nächstes lahntastisches Abenteuer!

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Euer THM Projekt Team

*** Alle angegebenen Informationen beruhen auf persönlichen Erfahrungen und entsprechen unseren eigenen Einschätzungen. Bei der Auswahl aller Lokalitäten mussten wir eine Eingrenzung vornehmen. Die Bandbreite an Attraktionen ist natürlich wesentlich größer als hier abgebildet. Wir wünschen Euch viel Spaß beim Entdecken! ***

5 Tage unterwegs auf der Lahn von Diez bis Bad Ems

Kanufahren? Ich? Und dann noch fünf Tage hintereinander auf der Lahn? Ist das was für mich? Schaffe ich das überhaupt? Diese Gedanken schossen durch meinen Kopf als ein guter Freund diese für mich „abwegige“ Idee für den nächsten Urlaub vorschlug. Nach diesen fünf Tagen wusste ich es besser…

Tag 1 – Start Diez – Lahn-Kilometer 84
Muss das wirklich sein? Das Städtchen Diez gefiel mir sofort mit seiner gemütlichen Altstadt, den Kaffees und dem Grafenschloss oben am Berg – ich hätte auch den Tag hier verbringen können, aber wir starteten durch. Sieben Kilometern bis nach Balduinstein in einem Kanu paddeln? Erstaunlicherweise klappte es sehr gut und die Landschaft mit den steilen, dicht bewaldeten Uferhängen, Streuobstwiesen und dem Grün am Uferrand ließ mich meine Müdigkeit irgendwann fast vergessen. Wir haben sogar eine Weltberühmtheit gesehen – das Gebäude der Quelle des Heilwassers Staatl. Fachingen. Das Panorama Balduinsteins mit der Burgruine Balduin und dem Schloss Schaumburg war dann aber doch eine doppelte Freude – ein toller Anblick und die Aussicht auf Ausruhen…

Tag 2 – Start Balduinstein – Lahn-Kilometer 91
Mit Muskelkater in den Armen soll ich heute wirklich zwölf Kilometer von Balduinstein nach Laurenburg paddeln? Aber nur als Steuerfrau! Naja, auf die beiden Schleusen in Cramberg und Scheid war ich schon gespannt. Die Tour hat mich dann ein bisschen an den Grand Canyon auf Wasser erinnert – die Lahn verläuft an vielen Stellen wie durch eine Schlucht umgeben von steilen Hängen. Ich hätte gerne noch das Schloss Schaumburg besucht, das man auf der Anhöhe sehen kann – beim nächsten Mal. Habe ich beim nächsten Mal gesagt?

Tag 3 – Start Laurenburg – Lahn-Kilometer 101
Heute klappte das Paddeln schon besser. Vielleicht lag es auch daran, dass das Ziel das Lahnweindorf Obernhof hieß oder weil die Etappe kurz und auch für Ungeübte leicht zu bewältigen ist. Startpunkt war Laurenburg mit der über dem Ort thronenden Burg Laurenburg und ich stellte mir auf der gesamten Strecke vor, wie ich mit einem Glas Lahnwein auf der Terrasse einer Winzerstube sitze – ich wurde nicht enttäuscht.

Tag 4 – Start Obernhof – Lahn-Kilometer 110
Am vorletzten Tag freue ich mich schon richtig auf einen Tag im Kanu inmitten der Natur und war sogar etwas enttäuscht, dass heute „nur“ noch nicht einmal sieben Kilometer angesagt waren. Aber auf dieser Etappe bekam ich viele neue Ideen für einen Besuch an der Lahn – einladende Campingplätze, der Hafen Hollerich mit der Charterbasis für Hausboote oder das mittelalterliche Nassau mit Burg und Bergfried.

Tag 5 – Start Nassau – Lahn-Kilometer 117
Leider schon der letzte Tag – und von Muskelkater war auch nichts mehr zu spüren. Dafür wurde es auf den letzten elf Kilometern zwischen Nassau und Nievern nochmal historisch: Burg Nassau, Stammsitz zahlreicher europäischer Monarchien, mittelalterliche Bauten mit Wehrturm und Stadtmauer in Dausenau sowie die Architektur der Barock- und Bäderzeit des Weltkulturerbes Bad Ems. Fünf Tage Lahn waren was für mich – ich komme wieder!