Landtor, © Stadt Weilburg

Landtor

Weilburg

Im Verlauf der Stadterneuerung unter Graf Johann Ernst und seinem Architekten Julius Rothweil wurden die alten Stadttore (1704 die Mappestheißenpforte und 1712 das äußere Tor) niedergelegt und durch einen zweistöckigen Bruchsteinbau mit 6 m breitem Durchlass, an dessen Seiten sich Wohnungen für Pförtner und Hirten befanden, ersetzt. Dieses Tor wurde 1758 niedergelegt und für den geplanten Bau eines Zuchthauses zwei Gebäude abgerissen. Dem Wunsch der Stadt, den Neubau in der Art des abgerissenen Tores mit Wohnungen für Pförtner und Hirten auszuführen, kam der regierende Fürst Karl Christian von Nassau- Weilburg (1753-1788) nicht nach; es wurde ein monumentales, repräsentativen Eindruck vermittelndes, Eingangstor gewünscht. So entstand nach der Planung und unter der Leitung des holländischen Baumeisters van Swart das im klassizistischen Stil erbaute Landtor mit einer Breite von 10 m, einer Höhe von 11 m und mit einer 3,50 m breiten und etwa 4 m tiefen Durchfahrt. Als Material verwandte man Lahnmarmor aus der Gegend um Villmar/Steeden und rosa gefärbten Schupbacher Marmor. In die Durchfahrt wurde ein doppelflügeliges Tor mit Türchen eingebaut. Vorhandene Pläne zeigen, dass zumindest in der Planungsphase auch an einen schmuckreicheren Torbau gedacht war, als den später tatsächlich fertig gestellten. Vielleicht waren es nur die Kosten oder die lange unterbrochene Bauausführung, weshalb das Landtor schließlich ohne den reich gestalteten Toraufsatz und die vorgestellten Säulen gebaut wurde. Der Grundstein für den Bau wurde am 17. September 1759 gelegt. Wegen Unterbrechungen, u. a. aufgrund des Siebenjährigen Krieges, erfolgte der Bauabschluss erst am 11.01.1768. Zur Grundsteinlegung, bei der auch der Stadtpfarrer Philipp Casimir Weinrich zugegen war, trug dieser u. a. in das Kirchenbuch ein: .... (Der Grundstein) liegt linker Hand, wenn man zum Tor hinausgeht nach der Straße nach Ahausen zu, im Knopf der Säule. ..... In den Grundstein wurden Weilburger Münzen, Weilburger Wein und eine Kupferplatte mit einer eingravierten Inschrift eingemauert. Die Inschrift hat den nachstehenden Wortlaut: Salve amica, cuius intererat, alta haec rimari fundamina, posteritas! Quis iecerit illa, quis struxerit super validam quadrati saxi compagem, urbis patriae portam et ornamentum? scire satagis. Fuit CAROLUS, Serenissimus Nassoviae Princeps, como S & S Dynasta L. W. & I. suavissimus clementissimus pater patriae, aetate quidem iuvenis, ast pietate, virtute, constantia praeprimius, rerum gerendarum consilio et moderamine senex; qui a teneris peregrinis in oris, duce generosissimo Carolo de la Pottrie, castalidum castra secutus, nunc ipse foederati Belgii Dux, apud Batavos & focum & thalamum auspicarurus, patriam non posthabuit terram, sed magno suo proprio sumtu urbem exaedificat, ornat, vias sternit, ripam muro sepit, munificentia, liberalitate, clementia, paterno denique affectu populum fovet, refocillat, rempublicam optime componit. Tu vero consecratam habeas optimi Principis memoriam, et tuta agas otia cum dignitate nostris non secunda. Weilburgi die 17. Septembr. A. S. MDCCLVIIII Sei gegrüßt, Du freundlich gesinnte Nachwelt, der Du ein Interesse daran hattest, das tiefe Fundament (dieses Bauwerks) zu durchforschen! Wer es gelegt, wer darüber das feste Gefüge aus viereckigen Blöcken errichtet hat als Tor und Schmuck seiner Vaterstadt, willst voll Eifer Du wissen? Karl war es Nassaus durchlauchtigster Fürst, Graf zu Saarbrücken und Saarwerden, Herr zu Lahr, Wiesbaden und Idstein, der angenehmste und mildeste Vater des Vaterlandes, dem Alter nach noch ein Jüngling, doch an Frömmigkeit, Tugend und Standhaftigkeit den Ersten voraus und nach Planung und Führung seiner Regierung ein (weiser) Greis. Nachdem er von frühester Jugend an unter Führung des hochedlen Herrn Carl de le Pottrie als Gefolgsmann der Musen in fremde Lande gezogen war, ist er jetzt selbst ein Führer des Vereinigten Belgien und im Begriff, bei den Batavern glücklich seinen heimischen Herd und seine Ehe zu gründen. Doch hat er sein Vaterland nicht hintangesetzt, sondern mit großem eignen Aufwand baut er die Hauptstadt aus, schmückt sie, legt Straßen an und säumt den Fluß mit einer Mauer. Durch Wohltätigkeit, Freigebigkeit, Milde und schließlich mit väterlicher Liebe hilft er seinem Volk, erfüllt es mit neuer Kraft und richtet das Staatswesen auf's beste ein. Du aber mögest das Andenken an diesen allerbesten Fürsten heilig halten und in Ruhe und Sicherheit ein Leben in Würde führen können, das dem unseren nicht nachsteht. Weilburg, am 17. September im Jahre des Erlösers 1759 - Quelle: "Weilburger Blätter" Bürgerinitiative "Alt-Weilburg" e. V. Nr. 29, September/Oktober, 1979
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