Haus am Anger 10, © Anna Erb, Gießener Lahntäler

Haus "Anger 10" - die ehemalige Synagoge in Großen-Buseck

Buseck

Mitten drin und doch abseits Mitten im Ortskern von Großen-Buseck steht ein Gebäude, das eng mit der Geschichte des Dorfs und dem Leben im Ort verbunden ist. Dennoch findet es wenig Beachtung. Es ist das Haus „Anger 10“ direkt hinter dem Thal‘schen Rathaus. 1790/91 von dem Amtsverweser Follenius als repräsentatives Wohnhaus mit Scheune und kleinem Stall gebaut, hatte das Gebäude über die Jahrhunderte ganz unterschiedliche Nutzungen und Funktionen. Diese haben Spuren hinterlassen, die heute noch einen Blick in die Geschichte und das Leben in Großen-Buseck gewähren. Zunächst wohnte Friedrich Follenius mit seiner Familie in dem Haus. Etwa 1811 wurde das Haus vom Lehrer und Präceptor Rumpf bezogen. Dieser hat das Haus mit seiner Familie viele Jahre bewohnt. Danach hat der Actuarius und Steuereinnehmer der Ganerben G. H. Hedderich einige Jahre das Haus genutzt. 1844 erwarb die jüdische Gemeinde das Gebäude, da für die baufällig gewordene Synagoge Ersatz gefunden werden musste. Der frühere Scheunenteil rechts wurde zu einem hohen Gebetsraum mit Empore umgebaut, der Wohnteil, ab der Eingangstür links, blieb (bis heute)weitgehend unverändert. Für die Männer wurde ein separater Eingang rechts des heutigen Eingangs geschaffen. Ihnen war der untere Teil des Gebetsraums vorbehalten, den Frauen die Empore der Synagoge. Sie war über den eigentlichen Hauseingang und das bestehende Treppenhaus zugänglich. 1846 wurde die Synagoge mit dem Umzug der Thora-Rollen eingeweiht. Im Jahre 1938 kam es während der Pogrome zur Plünderung und Schändung der Synagoge. Dass sie nicht niedergebrannt wurde, war ausschließlich dem Umstand zu verdanken, dass sie zwischen anderen Fachwerkhäusern steht und man ein Übergreifen der Flammen befürchtete. Die jüdische Gemeinde Großen-Buseck löste sich gezwungenermaßen auf, das Gebäude „Anger 10“ wurde von der Gemeinde Großen-Buseck im Herbst 1939 unter Wert gekauft. Nach dem Krieg fehlte – wie überall – Wohnraum. 1947/48 wurde der verwüstete Gebetsraum völlig umgebaut, dieser Gebäudeteil nachträglich unterkellert, eine neue Kellerdecke eingezogen. Der ehemals hohe offene Raum erhielt eine Zwischendecke und wurde mit Zwischenwänden in kleine Wohneinheiten unterteilt. Es entstanden 12 Einheiten für bis zu 30 Personen. Seit 2012 steht das Haus leer. An dem Haus sind Spuren aus jeder dieser Epochen zu erkennen. Diese werden an Hand von „Zeitfenstern“ sichtbar gemacht. Darüber hinaus soll die Geschichte des Hauses fortgeschrieben werden. Es soll eine interkulturellen und interreligiösen Begegnungsstätte für alle Generationen werden. Dies ist das Ziel des Vereins „Freundeskreis Anger 10 – ehemalige Synagoge Großen-Buseck e.V.“ Die Umbaumaßnahmen sollen bis Ende 2021 abgeschlossen werden. Volker Herche, Schriftführer Freundeskreis Anger 10 - ehemalige Synagoge Großen-Buseck e.V.

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Öffnungszeiten:

Nächste öffentliche Besichtigung: 12.09. anlässlich des Tags des offenen Denkmals: 11.00 - 17.00 Uhr

Adresse
  • Haus „Anger 10“ · Anger 10 · 35418 · Buseck
  • Telefon +49 6408 911 181 E-Mail info@anger10.de
  • https://anger10.de/

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