Carl-Stollen, © Stadt Lahnstein

Carl-Stollen

Lahnstein

Verborgene Welten Stollen und Mineralien Stollen führen in die unterirdische Region des Bergwerks. Das Stollenmundloch bildet den sichtbaren Zugang in diese geheimnisvolle Welt. Für die Mehrzahl der Menschen haben sie etwas Mystisches. Lange Zeit glaubt man, dass im Innern der Erde das Reich der Zwerge liegt, die hier über deren Schätze wachen. Für die Arbeiter, die Tag für Tag durch das Mundloch in den Stollen einfahren, bedeutet das Ein­fahren in den Berg hingegen den Beginn der gleichermaßen anstrengenden wie gefährlichen Arbeit. Die Grube Friedrichssegen verfügt über insgesamt acht Stollen und sechs Schächte. Die Gesamtlänge des unterirdischen Gangsystems beträgt mehr als 20 km. Der größte Schacht erreicht eine Tiefe von 484 m. Der Abbau erfolgt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit modernsten Mitteln. Ab 1861 wird der Carl-Stollen auf einer Strecke von 232 m in den Berg getrieben. Das gebrochene Erz wird mit Grabenhunten, den Transportloren der Bergleute, zu Tage befördert. Pumpen sorgen dafür, dass die Förderstrecken nicht mit Grubenwasser voll laufen. Beim Bau der durch das Hüttental verlaufenden Grubenbahn im Jahr 1880 erhält der Stollen sogar eine eigenes Stichgleis, um das Erz effizient zur Weiterbearbeitung befördern zu können. Im Innern der Stollen offenbart sich die eigenartige Schönheit der unterirdischen Welt. Das wirtschaftliche Interesse gilt der Gewinnung der Gangerze. Diese bildeten sich vor etwa 360 Millionen Jahren bei der Auffaltung des Rheinischen Schiefergebirges, als in Klüften des Gesteins unter hohen Temperaturen mit Metallen angereichertes Wasser aufstieg. Bei der nachfolgende Abkühlung setzten sie die Mineralien an den Wänden der Hohlräume ab. So entstanden die Lagerstätten von Blei, Silber, Zink, Eisen und Kupfer, die in Friedrichssegen abgebaut werden. Doch immer wieder treten seltene Mineralien an die Oberfläche des Gesteins, die sich im Grubenlicht oft in schillernden Farben und skurrilen Formen dem geschulten Auge der Bergleute präsentieren. Es handelt sich dabei um Sekundärmineralien, die punktuell durch Verwitterung und Umwandlung der ursprünglichen Metallverbindungen an der Gesteinsoberfläche entstanden sind. Über einhundert verschiedene Mineralien sind in der Grube Friedrichssegen nachgewiesen. Weltberühmt sind die aus sechseckigen Braunbleierz-Kristallen (Pyromorphit) bestehenden Emser Tönnchen, die hier in besonderer Zahl und Güte Hohlräume im Gestein auskleiden. Nach dem Ende des Bergbaus ziehen neue Bewohner in die Stollen ein. Die künstlichen Höhlen dienen vielen Tieren als Lebensraum, die hier ein Leben ohne Licht führen. Nicht zuletzt zum Schutz überwinternder Fledermäuse ist das Stollenmundloch vergittert.
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