Backhaus Herborn Seelbach

Herborn

Backhaus Herborn Seelbach Gemeindebackhaus, Mitte des 18. Jahrhunderts vollständig aus Bruchstein erbaut. Eingeschossig 4,6m x 8,9m, Traufhöhe 3,2m, 38° Satteldach in Nord-Süd-Ausrichtung mit Schiefer (ursprünglich Ziegeln) gedeckt. Schornstein mittig angeordnet. Tür und Fenstergewänder aus Werkstein. In der südl. Giebelwand oberhalb der Tür befindet sich eine Sandsteinrosette mit 0,8 m Durchmesser als offener Abzug. In der östlichen Gebäudewand befinden sich zwei Fensteröffnungen je 0,8 m x 1,5 m, wovon die Südliche mit einem Sprossenfenster versehen, die Nördliche jedoch mit Bruchstein verschlossen ist. In der nördlichen Giebelwand befindet sich ein Zugang auf den Ofen, auch zur Lagerung von Brennholz. An der Westseite reicht die angrenzende Geländeoberfläche etwa bis zur Traufhöhe des Daches und schützt so vor Wind und Wetter. Unmittelbar östlich am Gebäude entlang durchfließt der kleine Hirtenborn (heute unterirdisch) das Dorf.   Geschichte Der Standort des alten Backes [Kurzf. f. Backhaus] wurde, zur Minderung der Brandgefahr, etwas außerhalb des alten Dorfkerns gewählt. Vermutlich aus dem gleichen Grund, befand sich unmittelbar nördlich des Backes auch das alte Brauhaus. Das heute noch an der Hohenstraße gelegene Backhaus ist eines von zwei Gemeinde-Backhäusern unseres Dorfes. Ein „Zwilling“ befand sich am Brandweiher unterhalb der Chaussee, heute Marburgerstraße und wurde 1963 abgebrochen. Die Geschichte der Seelbacher Backhäuser lässt sich bis weit ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen. Um dem zunehmenden Rohstoffmangel an Holz und der Gefahr von Dorfbränden entgegen zu wirken, denen ja einige Dörfer der Region zum Opfer gefallen waren, wurde bereits in einer nassauischen „Holz- u. Waldordnung“ im Jahre 1562 der Bau  von zentralen Backhäuser in den nassauischen Dörfern angeordnet. Diese herrschaftliche Anordnung scheint jedoch nicht umgesetzt und vermutlich auch  infolge des 30jährigen Krieges und der darauf folgenden Mangeljahre nicht weiter betrieben worden zu sein. Im Jahre 1745 wurde unser Dorf nun vom Herborner Schultheißen ermahnt, endlich die geforderten „gemeinen Back-Häußer“ zu errichten. Die Gemeinde sah sich jedoch nicht imstande der Aufforderung nachzukommen, “weilen wir aber wegen mißwachs und Kriegsbeschwerung jetzt in eine sehr arme Zeit gerathen, da die mehresten  in unserer gemeinde nicht allein kein futter vor das fahrende Vieh, sondern auch das liebe brodt vor die Menschen nicht mehr haben, also das wir diese Baukosten ohn möglich tragen können. Überdem sind wir auch mit Backhäußern, welche außer dem Dorf, und also außer aller gefahr stehen noch ziemlich wohl versehen.“   [i] Auf diese Stellungnahmen hin wurde der Gemeinde ein Aufschub um ein Jahr gewährt. Was dann geschah ist nicht überliefert. Jedoch sind aus dem Jahr 1775 insgesamt 7 Backhäuser in Seelbach dokumentiert. [ii] Zwei davon werden als gemeindeeigen bezeichnet, Eines „oben“, Eines „unten“ im Dorf“. Hierbei muss es sich um die beiden Backhäuser handeln, von denen noch Eines bis heute Bestand hat. Aufgrund dieser tradierten Nachweise in den einschlägigen Steuerlisten unsere Gemeinde ist die Bauzeit unseres Backhauses in die Mitte des 18. Jahrhunderts zu datieren. Drei der 7 erwähnten privaten Backhäuser wurden bereits 1808 wegen Baufälligkeit abgebrochen. Ein weiteres Backhaus befand sich bei der Mühle. Nach dem Verschwinden der privaten Backhäuser waren die Seelbacher auf die beiden Gemeinde-Backhäuser angewiesen. Die Einwohner mussten sich das gemeinschaftliche  Backen organisieren, hierzu gehörte auch dass regelmäßig an der Kirche stattfindende „ausspielen“ [verlosen] der Backzeiten und der Verantwortung für das Anheizen. Ende des 19. Jahrhunderts hatten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse offenbar so positiv entwickelt, dass sich ausreichend viele Einwohner Backwaren zukaufen konnten. So fand das Bäckerhandwerk auch in unserem Dorf Einzug. Nach dem frühen Tode ihres Mannes, errichtete Sophie Gabriel mit ihrem Sohn Friedrich im Jahre 1883 ein eigenes Backhaus an der Ecke Franzstr./Hohestr. und eröffnete die erste Bäckerei in unserem Dorf. 1987 vollständig renoviert, nutzt die unmittelbar angrenzende Bäckerei Gabriel (Dorfname „Soffies“ oder „Soffie-Bäcker“) das alte Backes seitdem in Erbpacht. In den 1990er Jahren veranstaltete der Heimat – u. Geschichtsverein unter aktiver Einbeziehung des alten Backhauses seine legendären „Backesfeste“ , die nach und nach zu wahren Volksfesten ausuferten und später strukturell für den Verein nicht mehr zu bewältigen waren. Nun ist es ruhig geworden um das alte „Backes“, aber jeden Donnerstag wird es noch in den frühen Morgenstunden angeheizt und dient bis heute dem Soffie-Bäcker zum Backen des beliebten Steinofenbrots. [i]  „Backhäuser in Herbornseelbach 1745“; HHStAW 172/5731 [ii]  Brandsteuerkataster Herbornseelbach 1775“; HHStAW 179/1812

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