Alte Lahnbrücke mit Dom, © Tourist-Information / Foto: Dominik Ketz

Altstadt Wetzlar

Wetzlar

Stadtgeschichte Die Anfänge der Stadt Wetzlar reichen bis ins 8. Jahrhundert zurück, obwohl die Ersterwähnung erst 1141 erfolgte. Im heutigen Stadtgebiet, in dem sich zahlreiche karolingische Siedlungsspuren fanden, überquerte die Hohe Straße von Frankfurt nach Köln und Antwerpen die Lahn mittels einer Furt, die im 13. Jahrhundert durch eine steinerne Brücke ersetzt wurde. Im Jahre 897 weihte der konradinische Bischof Rudolf von Würzburg an der Stelle des heutigen Domes eine Salvatorkirche, der sich kurze Zeit später das Marienstift anschloss. Rund um das Stift entwickelte sich eine städtische Ansiedlung aus Handwerkern und Kaufleuten. Im April 1180 bestätigte Kaiser Friedrich Barbarossa die Privilegien „seiner” Wetzlarer Bürger, und die aufstrebende Stadt entwickelte sich zur Reichsstadt. Vogt und Schultheiß lenkten gemeinsam mit Bürgermeister, Schöffen und Rat die Geschicke der Stadt. Die staufische Reichsburg Kalsmunt hoch über dem Lahntal wurde von verschiedenen Burgmannenfamilien bewohnt, verfiel aber bereits seit dem 16. Jahrhundert. Der größtenteils erhaltene Turm der Stauferburg wurde als Aussichtsturm hergerichtet. Noch heute kann man an den Straßennamen und den Bezeichnungen der Marktplätze die Topographie, aber auch die mittelalterliche Struktur Wetzlars erkennen. Damalige Berufe und Handelswaren, städtische Einrichtungen und geistliche Niederlassungen spiegeln sich in den Namen wider. Wetzlar war seit dem 13. Jahrhundert von einer Stadtmauer mit fünf Toren und mindestens neun Türmen umgeben, für deren Instandhaltung die Zünfte und die gesamte Bürgerschaft verantwortlich waren. Im 19. und 20. Jahrhundert wurden alle Türme bis auf einen, den heute so genannten Säuturm, und alle Stadttore abgebrochen. Lediglich das Kalsmunttor in der Vorstadt Silhofen blieb erhalten. Große originale und restaurierte Mauerabschnitte trennen heute die Altstadt von den sie umgebenden Grünanlagen. Der unvollendet gebliebene Dom teilte schon immer das Schicksal der Stadt: Als die aufstrebende Reichsstadt seit der Mitte des 14. Jahrhunderts verarmte, fehlte das Geld zum Weiterbau der Kirche. Teile des romanischen Kirchenbaues blieben stehen und wurden nicht abgebrochen, denn der gotische Nordturm und das Westwerk konnten aus Geldmangel nicht errichtet bzw. vollendet werden. Als die Stadtbevölkerung zum evangelischen Glauben übertrat, erhielt sie das Kirchenschiff für den evangelischen Gottesdienst, der Chor blieb den katholischen Stiftsherren vorbehalten. Der Dom als steingewordene Stadtgeschichte beeindruckt noch heute jeden Betrachter. Der Niedergang im Spätmittelalter betraf die gesamte Stadtbevölkerung, die sich hinter die Mauern zurückzog und die Vorstädte veröden ließ. Die Bürger, meist Händler und Handwerker, betätigten sich in ihrer Not sogar als Bauern auf der kleinen Stadtgemarkung. Die Aufnahme reformierter wallonischer Glaubensflüchtlinge 1586 führte noch nicht zum erhofften wirtschaftlichen Aufschwung, aber zwangsläufig wurde religiöse Toleranz gefördert. Immerhin konnten die Reformierten mit neuen Wohnhäusern einige Baulücken schließen. Die Häuser der neuen Einwohner und die der alteingesessenen Wetzlarer sind oft mit liebevollem Fachwerkschmuck geziert. Allerdings waren Fachwerkhäuser sehr feuergefährdet, und immer wieder fielen noch im 18. Jahrhundert ganze Straßenzüge Großbränden zum Opfer. Ab 1690 brachte das höchste deutsche Gericht, das Reichskammergericht, den lang ersehnten Wohlstand nach Wetzlar. Juristen und adlige Vertreter aus dem gesamten Heiligen Römischen Reich deutscher Nation weilten einige Zeit in der Stadt oder ließen sich mit ihren Familien hier nieder. Neu errichtete Häuser, schöne Palais und andere neue Bauwerke wie eine barocke Kirche veränderten das äußere Bild der Stadt. Wirtshausschilder, Hauszeichen oder sonstiger Zierrat schmückten die neuerrichteten Altstadthäuser. Das kulturelle Leben stand in großer Blüte und zahllose Fremde und Gäste belebten die Straßen. Heute bilden die meist verputzten Barockbauten der Reichskammergerichtszeit einen reizvollen Kontrast zu den sorgsam restaurierten Fachwerkhäusern aus fünf Jahrhunderten. Mit der Auflösung des Reiches 1806 wurde das Gericht geschlossen, und die Stadt stürzte in die Bedeutungslosigkeit. Nachdem Wetzlar bereits 1802/03 den Status einer Reichsstadt verloren hatte und politisch bedeutungslos geworden war, kam nun der wirtschaftliche Niedergang dazu. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts setzte mit optischen und eisenverarbeitenden Betrieben die Industrialisierung der seit 1815 preußischen Stadt ein. Das neue Wetzlar sprengte die Mauern und erstreckte sich weit ins Lahntal und auf die umgebenden Hänge. Die ineinander verschachtelten Häuser der Altstadt mit ihren markanten Schieferdächern, verbunden mit der über 700 Jahre alten steinernen Lahnbrücke und dem in seiner stilistischen Vielfalt einzigartigen Dom, prägen das unverwechselbare Bild Wetzlars.

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